Buchrestaurierungen Schritt für Schritt

Laurentius Valla. Holzdeckel ersetzen
Basel 1543, alaungegerbtes Schweinsleder über erhabene Bünde, der hintere Deckel abgebaut, Buchschließen nicht mehr vorhanden.
Gezeigt wird die partielle Abnahme des Bezugsleders, Bearbeitung des einzusetzenden Deckels aus abgelagertem Buchenholz sowie die Anbringung neuer, jedoch patinierter Schließen
Hier mit knappen Kommentaren unter den Einzelbildern
Enchiridion (eigentlich: Handbuch, Manual)
Klassischer Einband des XVI., alaungegerbtes Schweinsleder über erhabene Bünde, Holzedeckel mit Schließen, im englischen Sprachraum German Binding.
Wasserschäden führten zur Schrumpfung und partieller Ablösung der Einbandteile. Unklar ist der Sinn des mit Papier beklebten Einbandrückens geblieben.
Hier mit knappen Kommentaren
Slg. Fürstlich Hess. Landes-Ordnungen, Cassel 1785
Ein Franzband bei welchem nicht nur der Rückendeckel, sondern auch der letzte Bogen fehlte
Der Originalrücken wurde demontiert, der neue hintere Deckel wurde wegen der fehlenden Bünde mittels "overcast cloth joint" angebracht. Mit gelieferten Kopien wurde die fehlende Lage gebildet und eingeheftet. Durch die Demontage des Lederrückens konnte der Buchkörperrücken rekonditioniert (in die Form gebracht) werden
Hier die Dokumentation mit knappen Erläuterungen
Annales Regum Francorum
Bei diesem Originaleinband aus dem 16. Jahrhundert, reichhaltig blindverziertes braunes Kalbleder, wird gezeigt, wie das Leder entfernt, die Holzdeckel ausgebessert und partiell mit neuem Leder bezogen wurden
Zu der Bilderfolge
Tabernaemontanus, Pergamentband mit Schimmelschäden
Der Schimmel baute bei diesem Band den vorderen Deckel vollständig, den hinteren nur in den Kantenbereichen ab. Das Pergament widerstand und ist nur in den Gelenken, wie so oft, entlang der Schlitze für die einbandtypische Durchführung der Heftriemchen angerissen. Beachten Sie die Papierläsuren und ihre Behebung.
hier zum "Neuw Wasserschatz"
Wigalois, den Gesamteindruck wahrende Restaurierung eines ca. 4 cm dicken Papierbandes
Ausführlich dokumentierter Ablauf einer experimentellen Instandsetzung:
Der Band ist auf echte, d.h. erhabene Bünde geheftet und die Heftung nach wie vor im tadellosen Zustand. Durch die Einbandkonstruktion wirft sich aber der Buchkörper ungebührlich nach vorne. Deswegen litt der papierene Rücken des Einbandes, bis er schließlich brach.
Die Restaurierungsidee bestand darin, dass man den deteriorierten Papierrücken fest mit dem des Buchkörpers verbindet, womit die Ursache, nämlich dessen starke Gegenwölbung, gemindert wäre.
Die Dokumentation ist hier in 5 Abschnitte (Ordnersymbole) geteilt: Diagnose, Bezugsschäden, Bezug instandsetzen, Rücken 'fest' anbringen und schließlich die Anfertigung metallener, patinierter Schutzecken.
der Ritter mit dem Rade (so der Untertitel)
Bisselius. Teilweise demontierter Schweinslederband
Hier sehen Sie, welchen Anteil die Arbeiten ausmachen, die dem Liften der Originalbezüge dienen. Sie erfolgen meist mechanisch und sind unumgänglich, wenn verborgen liegende Teile hergerichtet werden müssen: hier Bundverpflockung, Schließriehmen
Zur Folge Bisselius
Gräfin von Aveyro. Neuer Lederrücken. Kanten, Ecken.
Lederrücken eines Halbfranzbandes demontieren, neuen einsetzen, Titel handvergoldet.
Ecken und Kantem mit zähem Papier(!) eingefasst.
Zur Folge Aveyro
Pergamentband mit Papier restauriert. Minimal invasiv.
Ein flexibles Bändchen, eingeschlagen in eine ältere Handschrift auf Pergament, das im Rückenbereich und vorallem im vorderen Gelenk beschädigt ist, erhält mit zähem, schwach geleimten langfaserigen Büttenpapier eine diskrete Prothese.
Zum Pergamentumschlag
Gelenk eines Pappbändchens der 20er Jahre
Auch neuere, bereits industriell hergestellte Bücher erhalten ihren Charme, wenn die zurückhaltende Restaurierung dem Neubinden vorgezogen wird. Ziehen Sie dazu etwa das Bild Nr. 7 heran.
Hier zu dem gerissenen Gelenk
Industriebroschur der dreißiger Jahre. Erstausgabe
Die Bilder zeigen, wie eine lädierte sgn. englische Broschur, Kartonage mit einem Papierumschlag, wieder instand gesetzt wird.
Hier zu Musil: Über die Dummheit, Wien 1937
Illuminiertes Manuskript aus dem XVII.
Eine ziemlich abgebaute Kirchenagenda der deutschen Siedlung in Oedenburg (Ungarn). Zum größten Teil (ca. 106 von 130) auf geschliffenem Pergament geschrieben und farbig geschmückt. Solche Manuskripte sind aus dieser Zeit äußerst rar.
Hier der Restaurierungsablauf
Folioband über erhabene Bünde ganz in Papier
Dieser Band aus dem Bestand eines renommierten Münchner klassischen Gymnasiums wurde schon als Original derart gebunden, dass man ihn nur als eine interimistische Lösung --und zwar bereits damals-- ansehen konnte:
eine Heftung auf erhabene, d.h. überstehende Bünde kann nicht mit einem lediglich kartonierten Einbandrücken akkordieren. Schon im 18. Jahrhundert wusste der Buchbinder, dass die sich erhebendenden Heftbünde einen Lederbezug verlangen, respektive die äußerst selten zu sehende Konstruktion eines dreidimensional geformten Einbandrückens.
Hier wird vorgeführt, wie der unzulängliche, zwischenzeitlich lädierte Rücken mit Leder ersetzt wird. Beachten Sie, wie die aufgelösten Deckelkanten mit einem Papier der Zeit nach der Festigung bezogen wurden.
Urkunden und Zeugnisse zu Nürnberg
Reparatur eines im Kopfbereich eingerissenen Geweberückens
Es wird gezeigt, wie man mit Japanpapier unauffällig die Stelle repariert, die aufgrund einer unsachgemäße Regalentnahme öfters bricht.
Hier zu Franz Rosenzweig: Ein Buch des Gedenkens, Berlin 1930
Lädierter Ganzfranzband im Folioformat
Ein seltener Band zeitigt Spuren nicht sonderlich pfleglicher Behandlung:
Ecken weit offen, Fälze gerissen, ditto Häubchen bzw. ganze Felder oben sowie unten.
Ergänzungen mit neuem Leder, das unter den Originalbezug greift.
Hier zu Anselmo Banduri: Imperium orientale, sive Antiquitates Constantinopolitanae, Vendig 1729